Du löst ein Problem – und es kommt trotzdem wieder.
Die Ishikawa-Methode zwingt dich in die Tiefe: Sie visualisiert alle Ursachen eines Problems strukturiert – und zeigt dir, wo du wirklich ansetzen musst, statt nur Symptome zu bekämpfen.
Warum die übliche Problemlösung nicht reicht
Wenn Probleme auftreten, reagieren wir schnell.
Wir suchen nach Lösungen. Wir ergreifen Maßnahmen. Wir hoffen auf Besserung.
Allerdings kehren viele Probleme trotzdem zurück.
Das liegt aber nicht daran, dass du unfähig bist. Ebenso wenig liegt es daran, dass du nicht genug versuchst.
Vielmehr liegt es daran, dass du wahrscheinlich nur Symptome bekämpfst – nicht aber die eigentlichen Ursachen.
Die Ishikawa-Methode, auch bekannt als Fischgräten-Diagramm oder Ursache-Wirkungs-Diagramm, wurde in den 1940er Jahren vom japanischen Qualitätsmanager Kaoru Ishikawa entwickelt und hilft Teams, systematisch von offensichtlichen Symptomen zu den tatsächlichen Ursachen zu gelangen. Q-Learning – Ishikawa-Methode
Was die Ishikawa-Methode leistet
Die Ishikawa-Methode ist ein visuelles Werkzeug zur systematischen Ursachenanalyse.
Sie funktioniert wie folgt:
- Problem klar definieren: Das Problem wird als „Kopf“ des Diagramms benannt.
- Hauptursachen identifizieren: Entlang der „Hauptgräten“ werden Kategorien organisiert.
- Nebenursachen sammeln: Spezifische Ursachen werden den Kategorien zugeordnet.
- Ursachen bewerten: Die wahrscheinlichsten Ursachen werden priorisiert.
- Maßnahmen ableiten: Konkrete Schritte werden aus den Erkenntnissen entwickelt.
Ein Ishikawa-Diagramm stellt grafisch dar, welche möglichen Ursachen Einfluss auf ein Ergebnis nehmen. Es dient zur gezielten Ursachenermittlung im Team, nachdem der Fehler- oder Problemschwerpunkt eingegrenzt ist. TQM Consulting – Ishikawa-Diagramm

Die 6M-Kategorien als Orientierung
Die Ishikawa-Methode verwendet oft Kategorien, um Ursachen zu strukturieren.
Die gebräuchlichste Variante sind die 6M:
- Mensch: Wer ist beteiligt? Welche Kompetenzen, Motivationen oder Konflikte wirken?
- Maschine: Welche Tools, Technologien oder Systeme sind im Spiel?
- Material: Welche Ressourcen, Informationen oder Inputs werden verwendet?
- Methode: Welche Prozesse, Abläufe oder Regeln gelten?
- Mitwelt (Umwelt): Welche äußeren Bedingungen, Räume oder Kontexte wirken?
- Management: Welche Entscheidungen, Prioritäten oder Strukturen beeinflussen das Problem?
Manche Varianten erweitern auf 8M (Messung, Money) oder passen die Kategorien an den Kontext an.

Schritt-für-Schritt: Ein Ishikawa-Diagramm erstellen
Schritt 1: Problem klar definieren
Formuliere das Problem präzise:
- Was genau ist das Problem?
- Wann tritt es auf?
- Wo tritt es auf?
- Wie oft tritt es auf?
- Welche Auswirkungen hat es?
Schreibe das Problem als „Kopf“ rechts auf ein großes Blatt Papier oder eine Tafel.
Zeichne einen horizontalen Pfeil nach rechts – das ist das „Rückgrat“ des Fisches.
Schritt 2: Hauptursachen-Kategorien festlegen
Wähle 4–8 Kategorien, zum Beispiel das 6M-Modell.
Zeichne von dem Rückgrat diagonale Pfeile ab – das sind die „Hauptgräten“.
Beschrifte jede Hauptgräte mit einer Kategorie (Mensch, Maschine, Material, Methode, Mitwelt, Management).
Schritt 3: Ursachen sammeln
Sammle im Team alle möglichen Ursachen des Problems.
Ordne jede Ursache der passenden Kategorie zu.
Zeichne kleinere Pfeile von den Hauptgräten ab – das sind die „Nebengräten“.
Frage dabei:
- Warum tritt dieses Problem auf?
- Welche Faktoren könnten dazu beitragen?
- Was haben wir bisher übersehen?
Schritt 4: Ursachen vertiefen
Gehe bei jeder Ursache eine Ebene tiefer.
Frage nach dem „Warum“ jeder Ursache.
Zeichne weitere Verzweigungen – das sind die „Unternebengräten“.
Wiederhole diesen Schritt, bis du bei konkreten, überprüfbaren Ursachen ankommst.
Schritt 5: Ursachen bewerten und priorisieren
Betrachte alle gesammelten Ursachen.
Bewerte sie nach ihrem Einfluss auf das Problem:
- A: Starker Einfluss
- B: Mittlerer Einfluss
- C: Schwacher Einfluss
Markiere die A-Ursachen deutlich.
Das sind die Ursachen, bei denen du ansetzen solltest.
Schritt 6: Maßnahmen ableiten
Formuliere für die priorisierten Ursachen konkrete Maßnahmen:
- Was wird getan?
- Von wem?
- Bis wann?
- Wie messen wir Wirkung?
Dokumentiere das Ishikawa-Diagramm und die beschlossenen Schritte.
Plane Follow-up-Termine, um Fortschritte und Restprobleme zu prüfen.

Ein Beispiel aus der Praxis
Problem: Projekte werden regelmäßig nicht termingerecht abgeschlossen.
Hauptkategorien: Mensch, Methode, Maschine, Material, Mitwelt, Management
Mensch:
- Teammitglieder sind überlastet
- Fehlende klare Rollen
- Unzureichende Kommunikation
Methode:
- Keine klaren Meilensteine
- Unklare Priorisierung
- Fehlendes Risikomanagement
Maschine:
- Tools sind nicht integriert
- Technische Probleme verzögern Arbeit
Material:
- Informationen kommen zu spät
- Ressourcen sind nicht rechtzeitig verfügbar
Mitwelt:
- Externe Lieferanten verzögern
- Räumliche Trennung des Teams
Management:
- Prioritäten wechseln häufig
- Budget wird gekürzt
- Entscheidungen kommen zu spät
Priorisierte Ursachen (A):
- Fehlende klare Priorisierung
- Teamüberlastung
- Häufige Prioritätswechsel durch Management
Maßnahmen:
- Klare Prioritätenliste einführen
- Kapazitätsplanung im Team
- Entscheidungsrhythmen im Management festlegen

Eine Praxisübung: Dein Ishikawa-Diagramm
Nimm ein aktuelles Problem, das sich wiederholt oder das du noch nicht gelöst hast.
Zeichne ein Ishikawa-Diagramm auf ein großes Blatt Papier.
Gehe die sechs Schritte durch.
Arbeite idealerweise im Team – aber auch allein ist es möglich.
Nimm dir mindestens 60–90 Minuten Zeit.
Am Ende solltest du:
- Ein klares Bild aller möglichen Ursachen haben
- Die wahrscheinlichsten Ursachen identifiziert haben
- Konkrete Maßnahmen für die nächsten Schritte ableiten können
Diese Übung soll keine perfekte Analyse liefern.
Sie soll dir vielmehr Klarheit schaffen – und dir zeigen, wo du wirklich ansetzen musst.
Was du aus der Ishikawa-Methode gewinnen kannst
Die Ishikawa-Methode gibt dir keine schnellen Lösungen.
Aber sie gibt dir Struktur.
Konkret bedeutet das:
- Du unterscheidest klarer zwischen Ursache und Symptom.
- Du beziehst das Team ein – und gewinnst gemeinsame Klarheit.
- Du visualisierst Zusammenhänge – und erkennst Muster.
- Du priorisierst Ursachen – und fokussierst deine Maßnahmen.
- Du dokumentierst den Prozess – und kannst später nachvollziehen, warum du entschieden hast, wie du entschieden hast.
Das ist keine kleine Veränderung.
Es ist vielmehr eine andere Herangehensweise.
Zurück zur Ausgangsfrage
Du löst ein Problem – und es kommt trotzdem wieder.
Aber jetzt verstehst du besser, warum.
Vielleicht hast du nur Symptome bekämpft.
Vielmehr liegt es aber daran, dass du die Ursachen noch nicht tief genug analysiert hast.
Und vielleicht liegt genau dort dein nächster Schritt.

Verbindung zu anderen Methoden und zum Blog
Die Ishikawa-Methode ergänzt andere Werkzeuge zur systematischen Analyse.
Die SWOT-Analyse verbindet interne Fakten und externe Trends – von der Matrix zur echten Strategie. Siehe SWOT-Analyse auf rolandwegerer.at.
Problemlösungskompetenz im beruflichen Alltag besteht aus mehreren Schritten: Identifikation, Analyse, Kreativität, Umsetzung und Kontrolle. Siehe Problemlösungskompetenz auf.
Das Bronfenbrenner-Modell bietet eine systemische Perspektive auf Probleme über fünf Ebenen. Siehe Artikelserie zu systemischem Denken nach Bronfenbrenner.





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