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Selbstwirksamkeit beginnt mit dem nächsten Schritt



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Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, alles zu können. Sie bedeutet, sich zuzutrauen, eine konkrete Herausforderung durch eigenes Handeln beeinflussen zu können.

„Das kann ich nicht.“ Dieser Satz klingt oft wie ein endgültiges Urteil, obwohl noch gar kein Lösungsweg ausprobiert wurde. Vielleicht fehlt Wissen oder Unterstützung. Manchmal fehlt aber vor allem die Erwartung, selbst etwas bewirken zu können.

Was Selbstwirksamkeit bedeutet

Der Psychologe Albert Bandura beschreibt Selbstwirksamkeit als die Überzeugung, eine bestimmte Situation durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Es geht nicht um die allgemeine Frage „Bin ich gut genug?“, sondern um eine konkrete:

„Kann ich etwas tun, um mit dieser Aufgabe umzugehen?“

Selbstwirksamkeit ist daher nicht dasselbe wie Selbstwertgefühl oder allgemeines Selbstvertrauen. Eine Person kann sich als wertvoll erleben und trotzdem überzeugt sein, eine bestimmte Aufgabe nicht bewältigen zu können.

Sie ist auch keine Erfolgsgarantie. Wer sich selbstwirksam erlebt, beginnt aber eher, bleibt länger dran und kann Rückschläge eher als Rückmeldung betrachten. Eine Einführung in Banduras Konzept der Selbstwirksamkeit beschreibt diesen Zusammenhang ausführlich.

Warum sie wichtig ist

Selbstwirksamkeit beeinflusst, ob Menschen eine Aufgabe beginnen, wie viel Anstrengung sie investieren und wie sie auf Schwierigkeiten reagieren.

Für das Lernen ist sie besonders bedeutsam. Eine Untersuchung mit 2.359 Schüler:innen aus 35 deutschen Mittelschulen zeigte einen Zusammenhang zwischen akademischer Selbstwirksamkeit, Motivation und schulischen Leistungen. Das bedeutet nicht, dass Selbstwirksamkeit allein gute Noten verursacht. Auch Vorwissen, Unterricht, Zeit und Unterstützung spielen eine Rolle. Die Studie in Frontiers in Education liefert dennoch wichtige Hinweise.

Selbstwirksamkeit kann dazu beitragen, dass Menschen:

  • eher mit einer Aufgabe beginnen;
  • bei Schwierigkeiten länger nach Lösungen suchen;
  • gezielter um Hilfe bitten;
  • Fehler als Informationen nutzen;
  • sich an ungewohnte Aufgaben heranwagen.

Nicht alles liegt in unserer Hand

Selbstwirksamkeit bedeutet nicht: „Du musst nur an dich glauben.“

Ein Kind kann motiviert sein und trotzdem unter schlechten Lernbedingungen leiden. Eine Lehrerin kann kompetent sein und dennoch an Zeitmangel scheitern. Ein Künstler kann an seine Fähigkeiten glauben, aber keine ausreichenden Ressourcen haben.

Der realistische Satz lautet daher nicht:

„Ich kann alles schaffen, wenn ich nur will.“

Sondern:

„Ich kann prüfen, was in meiner Situation möglich ist, und den nächsten Schritt beeinflussen.“

Wie Selbstwirksamkeit wächst

Selbstwirksamkeit entsteht vor allem durch konkrete Erfahrungen.

Eigene Bewältigungserfahrungen: Kleine, echte Fortschritte zeigen: „Ich konnte etwas tun.“ Ein Schüler löst eine Teilaufgabe, eine Kollegin führt ein schwieriges Gespräch, ein Künstler beginnt eine Skizze.

Vorbilder: Fertige Ergebnisse zeigen nur einen Teil des Weges. Hilfreicher ist es, auch Umwege, Fehler und Überarbeitungen zu sehen.

Konkrete Rückmeldungen: „Du schaffst das“ bleibt allgemein. Besser ist: „Du hast die Aufgabe in zwei Schritte zerlegt“ oder „Du hast nach dem Fehler weiterprobiert.“

Umgang mit Gefühlen: Nervosität ist nicht automatisch ein Beweis mangelnder Fähigkeit. Sie kann bedeuten, dass eine Aufgabe wichtig oder ungewohnt ist. Manchmal braucht es Vorbereitung, eine Pause oder Unterstützung.

Eine Lehrperson zeigt Jugendlichen mehrere Lösungswege an einer Tafel.
Sichtbare Lösungswege machen Entwicklung möglich.

Selbstwirksamkeit trainieren

Aufgaben verkleinern

Aus „Ich muss meine Website verbessern“ wird: „Ich prüfe heute drei Überschriften.“

Aus „Ich muss besser zeichnen“ wird: „Ich fertige zehn kurze Skizzen an.“

Die Frage lautet:

„Was wäre ein überschaubarer nächster Schritt?“

Fortschritte festhalten

Ein kurzes Protokoll genügt:

  • Was wollte ich tun?
  • Was habe ich ausprobiert?
  • Was hat funktioniert?
  • Wo bin ich stecken geblieben?
  • Was versuche ich als Nächstes?

Auch kleine Schritte und kontinuierliche Verbesserung können dabei helfen, Fortschritt sichtbar zu machen.

Eine Person ordnet kleine Arbeitsschritte und Zwischenstände in einem kreativen Arbeitsraum.
Kleine Erfahrungen bauen Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit auf.

Rückschläge auswerten

„Ich bin gescheitert“ beschreibt die ganze Person. „Meine Vorbereitung hat für diesen Teil nicht gereicht“ beschreibt eine veränderbare Situation.

Hilfreiche Fragen sind:

  • War die Aufgabe zu groß?
  • Welche Strategie habe ich verwendet?
  • Wo genau trat das Problem auf?
  • Welche Unterstützung wäre sinnvoll?
  • Was mache ich beim nächsten Versuch anders?

Eine kurze Selbstreflexion hilft, aus einer Erfahrung eine nächste Handlung abzuleiten.

Ein kleines Experiment

Wähle eine aufgeschobene Aufgabe und formuliere sie so, dass du sie in 15 Minuten beginnen kannst.

Nicht:

„Ich bringe Ordnung in mein gesamtes Archiv.“

Sondern:

„Ich sortiere zehn Dateien.“

Notiere danach:

  • Was habe ich begonnen?
  • Welche Entscheidung habe ich selbst getroffen?
  • Was hat mich aufgehalten?
  • Was weiß ich jetzt besser?

Selbstwirksamkeit wächst selten in großen Erfolgsszenen. Sie wächst in kleinen Momenten, in denen aus „Ich weiß nicht, ob ich das kann“ ein vorsichtiges „Ich probiere den nächsten Schritt“ wird.

Der nächste Schritt

Selbstwirksamkeit unterstützt Lernen, Motivation und Ausdauer. Sie ersetzt aber weder Wissen noch Hilfe noch gute Rahmenbedingungen.

Vielleicht beginnt sie nicht mit:

„Ich kann das.“

Vielleicht beginnt sie bescheidener:

„Ich kann herausfinden, was der nächste Schritt ist.“

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